Archiv für Wladimir Putin

Der letzte Diktator

Veröffentlicht in Belarus - Tag des Sieges, REPORTAGEN mit den Tags , , , , , , , , , , , , , am 31. Juli 2009 von lehermayr

BELARUS. Planwirtschaft, Militär und Miliz. Ein Report aus einer kommunistischen Zeitkapsel am Rande der EU.Alexander Lukaschenko (Fotos: Heinz S. Tesarek)

Er hat sich wohl angepirscht, durch die Menge gedrängt und steht plötzlich frontal vor einem. Der Mann wirkt wuchtig, trägt einen etwas zu eng geratenen Anzug und verspiegelte Sonnenbrillen. „No pictures from president“, schnauzt er und gibt deutlich zu verstehen, die Einhaltung des soeben erlassenen präsidentiellen Fotografierverbotes fortan persönlich überwachen zu wollen.

Minsk am vergangenen Samstag, dem 9. Mai. Der „Tag des Sieges“ der Roten Armee über Nazi-Deutschland jährt sich zum 64. Mal, und Weißrusslands Hauptstadt präsentiert sich wie auf vergilbten Bildern aus den späten 70er-Jahren. Spruchbänder mit heldenhaften Parolen zieren die breiten Boulevards, Veteranen sind aufmarschiert, tragen teils Lenin und Stalin-Konterfeis in ihren Händen, lauschen der Marschmusik, salutieren den Truppen und warten auf ihren anscheinendfotoscheuen Präsidenten – Alexander Grigorjewitsch Lukaschenko. 15 Jahre ist er im 10-Millionen-Einwohner-Staat zwischen Polen, der Ukraine und Russland schon an der Macht und regiert das Land seither mit eiserner Hand.

Europas letzte Diktatur.

Das Parlament ließ der einstige Direktor einer Kolchose säubern, unabhängige Zeitungen zusperren, Wahlen fälschen und Oppositionelle ins Gefängnis stecken. Als „Europas letzten Diktator“ bezeichnete ihn daher 2006 US-Außenministerin Condoleezza Rice. Ein wenig schmeichelhafter Titel, der dem Mann aus Minsk blieb, auch wenn Rice längst Geschichte ist. Weißrussland – ein Paria-Staat, ein Vorposten der Tyrannei, ein Teil der „Achse des Bösen“ direkt am Rande der EU? Die Liste der Staatsbesuche der vergangenen Monate klingt jedenfalls nach einem regen Austausch unter Autokraten. Zuerst verschlug es Lukaschenko nach Teheran, wo er Mahmoud Ahmadinejad die Lieferung moderner Waffen versprach und als Gegenleistung Öl einforderte. Energie war wohl auch das brennende Thema, als kürzlich Libyens Muammar al-Gaddafi und Venezuelas Hugo Chavez in Minsk auf ihresgleichen trafen.

Westwärts waren Lukaschenko hingegen für lange Zeit alle Wege verwehrt geblieben, da neben den USA auch die EU den Diktator zu isolieren trachtete und ein Einreiseverbot über ihn und sein Regime verhängt hatte. Doch spätestens seit vergangener Woche ist auch dies Geschichte, wie die Staatszeitungen freudig verkündeten.

Der Dank gilt EU-Kommissarin Benita Ferrero-Waldner, die  die neue Ostpartnerschaft aus der Taufe hob, bei der sechs Ex-Sowjet-Staaten enger an die Union gebunden werden sollen. Mit an Bord: Lukaschenkos Weißrussland – der weiße Fleck auf Europas Landkarte und bislang Russlands engster Verbündeter. Eine Welt, unbekannt und fremd, längst untergegangen geglaubt und doch voller Überraschungen. Wachtürme, Straßensperren, vielleicht gar Panzerparaden – wer dergleichen erwartet hätte, wird von der Fahrt ins Minsker Stadtzentrum schwer enttäuscht. Auf dreispurigen Schnellstraßen, die so manchem neuem EU-Staat Neid abringen würden, geht es vorbei an neostalinistischen Prunkbauten ins Zentrum von Minsk. Die Stadt, im Zweiten Weltkrieg von den Deutschen in Schutt und Asche gelegt und erst danach am Reißbrett in reinster realsozialistischer Architektur wiederauferstanden, ist so sauber wie kaum eine andere. Dass das so bleibt, dafür sorgen Putztrupps und ständig patrouillierende Milizionäre.

Riesige Werbetafeln, welche von Bratislava bis Bukarest kapitalistische Konsumverheißungen anpreisen, fehlen hier fast völlig. Stattdessen ruft eine stramme blonde Milizionärin vom Plakat dazu auf, bei Verstößen gegen Ordnung und Sicherheit sofort eine entsprechende Telefonnummer zu wählen. Sonst machen gerade einmal die großen Staatskombinate mit Werbung auf ihre Produkte aufmerksam – und diese reichen von Fernsehern über Kühlschränke bis hin zu Traktoren. Bei Letzteren zählen die Minsker Lenin-Werke mit ihren 25.000 Beschäftigen zu den Weltmarktführern. Staatskapitalismus lautet hier bis heute die Devise – und das Ergebnis heißt offiziell Vollbeschäftigung. Eine wilde Privatisierung, welche beim großen Nachbarn Russland in den Neunzigern wenige rasch zu Oligarchen und viele noch schneller arm werden ließ, hatte Lukaschenko unterbunden und damit bereits früh eine wichtige Basis für den späteren Machterhalt geschaffen.

„Papa“ Präsident. 

Denn auch der liebevoll von vielen als „Batka“, also „Papa“, bezeichnete Präsident weiß, dass man die Hand, die einen füttert, nicht beißt. Unterstützung erfuhr Lukaschenko lange auch aus Moskau, wo Wladimir Putin mit Unbehagen die Ausweitung von Nato und EU bis fast vor die eigene Haustür verfolgte. Als Reaktion bekam Lukaschenko Gas und Öl weit unter Weltmarktpreisen geliefert, welche dieser nur zu veredeln und mit satten Gewinnen weiter in den Westen zu verkaufen brauchte. Die Folge waren Wachstumsraten bis zu zehn Prozent und Ökonomen, die Zweifel an der Überlegenheitdes kapitalistischen Modells zu hegen begannen.

Cappuccino-Kommunismus.

Doch wie lebt es sich mit Fünfjahresplänen und Präsidentendekreten? „Nicht schlecht“, meint Bernd Rosenberg, ein österreichischer Banker, der vor sechs Jahren nach Minsk kam. Nach wie vor weiß Lukaschenko, dass Investitionen aus dem Westen wichtig für Weißrussland sind. Die Raiffeisen International schlug 2003 zu und besitzt heute mit der Priorbank die größte private Bank des Landes mit 1,5 Milliarden Euro Bilanzsumme. Ganz offen sagt Rosenberg, „dass man hier ausgezeichnete Geschäfte machen kann, solange man sich an dieRegeln hält“.

Genau eine dieser Regeln macht der Studentin Jelena hingegen zu schaffen. Unweit des Platzes der Oktoberrevolution, auf dem die jungen Pioniere für die Parade proben, sitzt die 18- Jährige im Garten der einzigen McDonald’s-Filiale bei einem Becher Cappuccino und beschwert sich: „Mein Vater arbeitet in der Führung eines westlichen Konzerns, verdient gut, doch ein drittes Auto dürfen wir uns nicht kaufen, weil es Lukaschenko verbietet.“ Zudem vermisst das Mädchen westliche Marken und wünscht sich „die Mode internationaler Labels auch in Minsk“. Entsagungen ganz anderer Art schildert die gleichaltrige Nastja. Sie ist eine jener Oppositionellen, denen Lukaschenko, wie er im Staatsfernsehen gern betont, „am liebsten den Schädel abreißen würde“. Abends steht Nastja mit 30 anderen in einer Menschenkette still vor dem monströsen Palast der Republik. Ihnen gegenüber: Spezialtruppen der Miliz, in Kampfanzügen und mit Schlagstöcken bewaffnet.

„Wir protestieren dagegen, dass Regimegegner einfach verschwinden, weggesperrt oder in die Psychiatrie gesteckt werden. Auch heute, noch bevor die Demo begann, sind drei Teilnehmer verhaftet worden.“ Nastja wirkt fahl, kränkelnd, schwächelnd. „Ich bin seit sechs Tagen im Hungerstreik“, erklärt sie, „aus Solidarität mit den politischen Gefangenen.“ Die Folgen ihres Engagements hat Nastja bereits zu spüren bekommen: Ihr Vater verlor seinen Staatsjob, die Wohnung wurde mehrmals durchsucht, und sie selbst flog von der Uni. Und dennoch macht sie weiter, „denn der Diktator muss fallen“.

Dies ist auch der sehnlichste Wunsch von Alexander Kozulin, einem der Führer der Opposition. 2006 trat er gegen Lukaschenko zur Präsidentenwahl an und wurde unmittelbar danach verhaftet und zu fünf Jahren Lagerhaft verurteilt. Im Sommer 2008 kam er auf Drängen der EU frei, die die Entlassungder politischen Gefangenen zur Vorbedingung für Gespräche mit dem Regime gemacht hatte. „Und soll ich nun dankbar sein, dass ich nur zwei Jahre durch die Hölle ging?“, fragt Kozulin verbittert. „Meine Frau ist währenddessen anKrebs gestorben, und wäre ich nicht 56 Tage in Hungerstreik getreten, hätte ich nicht einmal zu ihrem Begräbnis dürfen.“ Kozulin kritisiert, dass „es immer noch politische Gefangene gibt, die EU aber nun darüber hinwegsieht, bloß um die Krise zu nützen und Weißrussland aus der Umarmung Moskaus ins westliche Lager zu holen“.

„Eiserner Mann“ statt „eiserner Lady“.

Die Krise ist es auch, die Lukaschenko weit mehr Sorgen bereitet als die längst marginalisierte Opposition. Seit Jahresbeginn brechen die Exporte ein, und die Staatsbetriebe produzieren seit Monaten auf Halde. Der Diktator braucht nun dringend Kredite, um trotzdem pünktlich Gehälter und Pensionen auszahlen zu können, sodass es nicht zu Unruhen kommt, die ihn die Herrschaft kosten könnten. Auch ein neuerdings angeheuerter britischer PR-Profi, der einst schon das Image der „Eisernen Lady“ Margaret Thatcher aufpolierte, darf nun sein Können an dem Mann aus Minsk versuchen. Seine Idee dürfte es gewesen sein, dass Lukaschenko den verblüfften Weißrussen plötzlich einen unehelichen Sohn präsentierte. Seit kurzem tänzelt „Papa“ Lukaschenko mit dem fünfjährigen Kolja von Staatsbesuch zu Staatsbesuch, in der Hoffnung, beim Volk noch menschlicher zu wirken.

Bloß am „Tag des Sieges“ durfte Kolja anscheinend zuhause bleiben, als Lukaschenko sich nach seiner Ansprache der jubelnden Menge näherte – und NEWS, trotz der Anwesenheit des Herrn im etwas zu engen Anzug, ein Foto vom letzten Diktator Europas schoss. 

(Erschienen in NEWS 20/09)

 Die NEWS-Story im Originallayout

 

Ein Land, das es nicht gibt

Veröffentlicht in REPORTAGEN, Transnistrien mit den Tags , , , , , , , , , , , am 18. Juli 2009 von lehermayr

TRANSNISTRIEN. Lenin-Büsten, Russendisko und Sowjetnostalgie. Zu Besuch im ,schwarzen Loch’ am Rande Europas.

Parade in Tiraspol (Foto: Kollektiv Fischka)Das österreichische Außenministerium warnt auf seiner Homepage: „Von Reisen in das Gebiet jenseits des Dnjestr wird ausdrücklich abgeraten. Insbesondere sollte von der Einreise nach Transnistrien aus Richtung der Ukraine kommend abgesehen werden, da an den Grenzübergängen keine Kontrollen durch moldawische Behörden erfolgen und somit riskiert wird, von diesen Behörden als illegal Eingereister angesehen zu werden. Da es sich bei Transnistrien um keinen völkerrechtlich anerkannten Staat handelt, gibt es auch keinerlei Vertretungsbehörden in Österreich.“

In der schwülwarmen Luft tauchen kurz nach Passieren der ukrainischen Grenze Betonsperren hinter Stacheldraht auf. Am Horizont zeichnen sich auf einem Hügel erste Plattenbauten ab. Dort oben liegt Transnistrien. Und hier unten stehen dessen Zöllner – Soldaten in grün-braun gefleckten Kampfanzügen, die die Grenze eines Landes bewachen, das es offiziell gar nicht gibt, nicht geben darf, das auf keiner Landkarte auftaucht und für das kein Visum erhältlich ist. Und doch fällt die Kontrolle durch den Mann, dessen Goldzahn mit der Rolex an seinem Handgelenk um die Wette glänzt, durchaus real aus.

Ausländer habe er selten hier, meint er, lacht ein bisschen, fordert aber keinen Beitrag für die nächstanstehende Zahnvergoldung ein, sondern lässt weiterfahren. Hinein in ein Land, das sich über mehr als 200 Kilometer den Dnjestr entlangschlängelt, eingequetscht zwischen der Ukraine und Moldawien liegt, in dem knapp über eine halbe Million Menschen leben und das an manchen Stellen kaum breiter als fünf Kilometer ist.Transnistriens Präsident Igor Smirnov (Foto: Lehermayr)

In ein Land, das vor 18 Jahren, als die Sowjetunion zu zerfallen begann, seine Unabhängigkeit erklärte. Aus Angst der mehrheitlich russischsprachigen Bewohner, Moldawien könnte sich Rumänien anschließen und für sie würde die Losung der dortigen Nationalisten, „Koffer – Bahnhof – Moskau“ Wirklichkeit werden. Seither gibt es die Pridnestrowische Moldawische Republik (PMR), wie sie sich selbst nennt, und seither hat sie kein einziger Staat anerkannt – nicht einmal Russland.

Doch nach dem Krieg um Abchasien und Südossetien, bislang ebenso Separatistenstaaten wie die PMR, hofft man nun auf ein Ende der Ächtung.

Nordkorea: Auf dem Feld genauso wie am Handy.

Die Fahrt geht über die kaum befahrene Hauptstraße in Richtung Tiraspol. Rechts und links Felder, auf denen ganze Arbeiterbrigaden die Apfel- und Kartoffelernte händisch einbringen.Lenin vor dem Haus des Sowjets (Foto: Lehermayr)

Das Handysignal wird schwächer, das Roaming aus dem moldawischen Netz weist kaum noch Empfang auf. „GSM kannst du hier vergessen“, sagt Fahrer Sascha, „die Moldawier blockieren es, also haben wir unser eigenes Netz, etwas, das es sonst nur in Nordkorea gibt.“ In der Tat funkt Interdnestrcom auf einer 800-MHz-Frequenz, die Einheimischen mit Handys aus Fernost Telefonieren im Land ermöglicht, Anrufe ins Ausland aber – die Führung dankt – ausschließt. Und Ausländer – sie und ihre Handys sind endgültig im schwarzen Loch Europas angekommen.

Dafür grüßt der Sowjetstern an der Einfahrt in die Hauptstadt Tiraspol, die mit 160.00 Einwohner etwas größer als Salzburg ist. Statt Mozart gibt es hier Lenin – ob aus rotem Granit gehauen wie beim Präsidentenpalast, als monumentale Büste vor dem Obersten Sowjet oder als schlichter Straßenname an der Kreuzung mit der Karl-Marx-Allee. Im Hotel wird bei den Zimmerpreisen rasch klar, wer Freund und wer Feind ist: Abchasier und Südosseten zahlen, sofern sie denn kommen, die Hälfte, Georgier hingegen gleich das Dreifache.

Tiraspol: Zwischen Lenin-Büste und Marx-Allee.

Alle weckt morgens jedoch gleichermaßen Parademusik. Heute, am 2. September, wird gefeiert, 18 Jahre PMR stehen auf dem Programm: Grenadiere, Gardisten und Kadetten marschieren auf dem zentralen Platz im Stechschritt auf und ab. Es gilt, militärische Stärke zu zeigen – den Moldawiern, damit diese erst gar nicht wieder daran denken, die abtrünnige Republik heimzuholen. So wie sie es im Sommer 1992 versuchten, als mehr als 1.000 Menschen bei den Kämpfen ums Leben kamen. Aber auch den Russen, „denn Russland war hier, ist hier und wird immer hier sein. Es ist der Garant unseres Fortbestehens“, wie der Präsident später, bei seiner Ansprache, ins Volk rufen wird. Und so Unrecht hat der Präsident – ein ehemaliger Kombinatsdirektor namens Igor Smirnow, der seit Bestehen der Republik Mal für Mal von seinen Bürgern mit schönen Wahlergebissen jenseits der 80 Prozent in seinem Amt bestätigt wird – gar nicht.

Denn Russlands Premier Wladimir Putin, immer noch der starke Mann in Moskau, hat Moldawien davor gewarnt, „denselben Fehler wie Georgien zu begehen.“ In der Tat verfügt ein Fünftel der Transnistrier über einen russischen Pass – denn so schön der eigene auch sein mag, weiter als die fünf Kilometer bis zur Grenze kommt man mit ihm nicht.Parade am Unabhängigkeitstag (Foto: Lehermayr)

Gleiches gilt für die transnistrischen Rubel, die im neuen Gebäude der Nationalbank fleißig gedruckt werden. Nachdem vor ein paar Jahren drei Nullen einer allzu horrenden Inflation zum Opfer fielen, freut man sich nun über Preisstabilität und zahlt die Löhne, die im Durchschnitt 100 Euro im Monat betragen, pünktlich aus.

Russendisko: Knappe Minis, volle Kassen

Wie angesichts solcher Einkünfte abends in der Disco „Plazma“ mit knappen Minis bekleidete Mädchen den Kauf von Energy-Drinks aus dem Alpenland à la drei Euro finanzieren, bleibt dennoch ein Rätsel. Dort dröhnt die Musik, die aus Moskau kommt, auf ein Publikum ein, das sich genauso gut in Mailand oder Madrid befinden könnte. Die brave Pionierin, die untertags noch die rote Fahne schwang, schwingt nun die Hüften im hautengen Catsuit. Bizarr?

Nicht in Transnistrien, einem Land, das auf den ersten Blick wie in der kommunistischen Zeitkapsel stecken geblieben scheint, dann aber die KP in die Opposition verbannt, während sie im benachbarten Moldawien den Präsidenten stellt. Dort, auf der anderen Seite des Dnjestr, vermuten die Transnistrier auch den Ursprung „der Lügen, die über unser Land verbreitet weden“, wie Vadim, Moderator beim staatlichen Radio, sagt: „Sie behaupten, wir seien Schmuggler oder arme Schlucker, dabei sind sie es, die ihren Staat trotz internationaler Anerkennung, seit seinem Bestehen immer tiefer in den Abgrund stürzen.“Galerie der Helden in Tiraspol (Foto: Lehermayr)

Sheriff: Turbokapitalist im Sozialistenparadies

Ähnlich sieht es Vladimir Yastrebchak, der NEWS zum Interview bittet. Er ist zwar Außenminister, doch kann er kaum irgendwo hinfahren, denn für ihn gilt, so wie auch für alle anderen Regierungsmitglieder, ein Einreiseverbot in die EU-Staaten. Trotzdem wirkt er nicht verbittert, sagt, „dass wir, solange uns Moldawien nicht als gleichwertigen Verhandlungspartner betrachtet, weiterhin unsere Unabhängigkeit und eine eventuell spätere Eingliederung in Russland verfolgen.“ Er versteht auch nicht, weshalb die EU dem Kosovo die Unabhängigkeit zugestand, „mit uns aber nicht einmal spricht.“

Besonderen Drang zur Kommunikation verspürt man ebenso wenig beim transnistrischen Konzern Sheriff. Dessen gelber Stern scheint den roten im Land langsam abzulösen. Sheriff, das ist TV, genauso wie Tankstellen, Banken, Spielcasinos und Supermärkte – und zwar flächendeckend, womit Sheriff fast so omnipräsent ist wie die Miliz auf den Straßen.Putin - Garant für Transnistriens Fortbestehen? (Foto: Lehermayr)

Vor den Toren Tiraspols haben die Konzernherren vor die zerbröselnden Plattenbauten ein höchst modernes Fußballstadion mit feinstem englischem Rasen, überdachter Trainingshalle und acht Außenanlagen gepflanzt. So verwundert es nicht, dass der FC Sheriff Jahr für Jahr die weiterhin mit Moldawien gemeinsam ausgetragene Meisterschaft gewinnt. Deren Nationalkicker müssen zu Länderspielen übrigens nach Tiraspol fahren – denn das einzige UEFA-taugliche Stadion steht in der abtrünnigen Republik Transnistrien.

Die komplette Transnistrien-Reportage zum Downloaden

(Erschienen in NEWS 37/08)

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