,In Italien machen sich die Gauner selbst die Gesetze‘

Grillo will gegen Mochovce kämpfen (Foto: Luca Faccio)

Beppe Grillo über Mafia & leichte Mädchen und warum er nach Wien kommen will.

News: Seit Sie vor 61 Jahren geboren wurden, gab es in Italien auch 61 Regierungen. Sind die Italiener unregierbar?

Beppe Grillo: Dazu müsste es erst einmal Italiener geben. Aber wir sind Genuesen, Mailänder, Toskaner, Römer… – uns fehlt die gemeinsame Identität. Aber solltet ihr Österreicher euch irgendwann Triest zurückholen wollen, wäre ich der erste, der freiwillig dorthin auswandert.

News: Das bringt uns zu Berlusconi. Ganz Europa fragt sich mittlerweile, was die Italiener an diesem Mann noch finden, wieso sie ihn nun schon drei Mal zum Premier wählten?

Grillo: Warum kauft jemand ein Produkt, das die Umwelt verschmutzt? Berlusconi ist kein Mensch, sondern eine Werbebotschaft, die alles verspricht und nichts hält. Berlusconi ist einer, der am Vormittag im Parlament Gesetze beschließt und abends zu einer Nutte geht. Das ist einer, der direkt vom Besuch bei Mafia-Größen zu den Erdbebenopfern von L‘Aquila fährt.

News: Aber dennoch haben ihm bislang scheinbar weder Sexskandale noch Betrugsvorwürfe geschadet.

Grillo: Das würden sie Ihnen auch nicht, wenn Ihnen sieben Fernsehsender und drei große Zeitungen gehörten.

News: Erst kürzlich gingen in Rom ja 300.000 Menschen auf die Straße, um für die Pressefreiheit zu demonstrieren.

Grillo: Ja, jetzt protestieren die Journalisten, lange schwiegen sie. Das ist so, wie eine Prostituierte, die demonstriert, um wieder Jungfrau zu werden.

News: Und nun wollen Sie, der Jahrzehnte über Politiker witzelte, selbst einer werden?

Grillo: Halt, halt, ganz so ist es nicht. Ich gründe eine Bewegung, die engagierten Leuten eine Plattform bietet und die nun auch bei den Regionalwahlen im Frühjahr erstmals antreten wird. Alles begann damit, dass ich das Internet für mich entdeckte: Nehmen Sie meine Bekanntheit, mein Gesicht und diese neue Technologie und was herauskommt, ist eine Atombombe. Das ist eine digitale Revolution, die die Art, wie Politik gemacht wird, vollkommen verändert, eine Bewegung von unten, mit der sich die Menschen ihren Staat zurückholen.

News: Aber wie wollen Sie so Berlusconi loswerden?

Grillo: Berlusconi ist doch schon längst tot, nur weiß er es noch nicht, weil er das Internet nicht versteht. Hunderttausende Menschen organisieren sich dort, debattieren Vorschläge, stimmen darüber ab und üben so Druck auf die Politik aus. Nur in Italien machten sich bislang die Gauner selbst die Gesetze.

News: Was sind Ihre Inhalte?

Grillo: Umweltverträgliches Wachstum, Regionalisierung statt Globalisierung und der Kampf gegen die Korruption.

News: Hätte ein Grillo auch in Österreich eine Chance?

Grillo: Grillos wird es überall dort geben, wo Politiker nicht für das Volk, sondern darüber hinweg regieren. Wenn Ihr wollt, komme ich gern nach Wien, um zu sehen, wie es bei Euch so zugeht. Wichtig wäre, etwas gegen Mochovce zu unternehmen, das mit viel Geld vom italienischen Energiegiganten Enel ausgebaut wird. Auf in den Kampf dagegen!

(Erschienen in NEWS 41/09)